Ob Großbatteriespeicher im Freiland, Batterieenergiespeicher am Umspannwerk oder Gewerbespeicher auf dem Firmengelände: Stationäre Batteriespeicher (BESS) ab ca. 100 kWh gelten in Deutschland baurechtlich in der Regel als Großspeicher. Eine allgemeingültige Vorschrift für den Brandschutz von BESS gibt es bislang nicht.
Für den Bauantrag braucht es deshalb einen individuellen Brandschutznachweis, der die Risiken der konkreten Anlage bewertet und die gewählten Maßnahmen nachvollziehbar begründet. Diese Punkte prüfen wir in jedem Brandschutzkonzept für Batteriespeicher:
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Thermal Runaway und Propagation
Kern jedes BESS-Brandschutzkonzepts: Was passiert beim thermischen Durchgehen einer Lithium-Ionen-Zelle, und kann der Brand auf Module, Racks oder benachbarte Container übergreifen? Grundlage sind Propagationstests des Herstellers, etwa nach UL 9540A oder EN IEC 62619.
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Containerabstände und bauliche Trennung
Abstände zwischen den BESS-Containern, zu Gebäuden und zu Grundstücksgrenzen werden projektspezifisch bewertet. Wo der Platz knapp ist, lassen sich Abstände durch nichtbrennbare, massive Trennwände reduzieren – begründet und mit Brandschutzdienststelle und Sachversicherer abgestimmt.
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Herstellerunterlagen und Sicherheitskonzept
Datenblätter, Zertifikate, Prüfberichte und das Brandschutzkonzept des Herstellers fließen in die Bewertung ein. Entscheidend ist, dass die Nachweise zur geplanten Anlagenkonfiguration und zum konkreten Aufstellort passen.
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Detektion und Alarmierung
Gas- und Rauchdetektion im Container, Temperaturüberwachung über das Batteriemanagementsystem (BMS) und die Weiterleitung von Stör- und Brandmeldungen an eine ständig besetzte Stelle. Eine Gasdetektion erkennt austretende Venting-Gase bereits in einer frühen Phase.
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Explosionsschutz und Druckentlastung
Beim Thermal Runaway entstehen brennbare Venting-Gase. Lüftung, Druckentlastungseinrichtungen und die gezielte Ableitung der Gase ins Freie werden auf Zellchemie, Batterietyp und die zu erwartende Gasmenge abgestimmt.
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Löschwasserversorgung
Wie viel Löschwasser wird tatsächlich benötigt, über welchen Zeitraum und aus welcher Quelle – Hydrant, Zisterne oder Löschwasserteich? Eine belastbare Herleitung verhindert, dass Sicherheitsreserven pauschal und teuer überdimensioniert werden.
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Löschwasserrückhaltung
Kontaminiertes Löschwasser darf nicht ins Erdreich oder in Gewässer gelangen. Das Konzept legt dar, ob und in welchem Umfang eine Rückhaltung erforderlich ist – abhängig vom Einsatzkonzept der Feuerwehr, etwa dem Kühlen der Nachbarcontainer statt eines großflächigen Löschangriffs.
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Feuerwehrzufahrt und Bewegungsflächen
Zufahrten, Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr nach DIN 14090, Feuerwehr-Schlüsseldepot und Freischaltelemente sowie sichere Angriffswege unter Berücksichtigung von Rauchgasen und Windrichtung.
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Abschaltung, Not-Aus und Freischaltung
Die Feuerwehr muss den Batteriespeicher im Einsatz eindeutig erkennen und freischalten können – über Not-Aus, Kennzeichnung und die Trennung von DC- und AC-Seite. Wichtig: Batteriemodule stehen auch nach der Abschaltung weiter unter Spannung.
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Trafostationen, Skids und Umspannwerk
Mittelspannungstransformatoren, Wechselrichter- bzw. PCS-Skids und das Umspannwerk bringen eigene Brandlasten mit, etwa ölgefüllte Trafos mit Auffangwannen. Sie werden im Gesamtkonzept der Anlage mitbetrachtet.
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Havarie- und Einsatzkonzept
Feuerwehrpläne nach DIN 14095, Einsatzhinweise für die zuständige Feuerwehr, erreichbare Ansprechpartner rund um die Uhr sowie Einweisungen und Übungen vor Ort – damit die Einsatzkräfte die Anlage im Ernstfall kennen.
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Organisatorischer Brandschutz
Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung, Wartungs- und Prüfintervalle, Unterweisungen sowie die Fortschreibung des Brandschutzkonzepts bei Umbauten oder Erweiterungen des Speichers.